Kann Mathematik Freude machen?
Ein Kommentar zum Lernverhalten in Mathematik in der Oberstufe
Es zeigt sich immer wieder in Klassenarbeiten und leider auch in der schriftlichen Abiturprüfung auch anderen Orts, dass viele Schüler mit den Mathematikaufgaben nur deshalb so zu kämpfen haben, weil sie die elementaren Routinetechniken der Mittelstufe nicht ausreichend beherrschen.
All zu oft ist erkennbar, dass ein Schüler das geforderte Fachwissen eigentlich besitzt und die zur Problemlösung nötigen Verfahren im Prinzip durchaus kennt. Bei der Durchführung der Lösung scheitern viele Schüler dann aber an mangelnden elementaren Grundfertigkeiten wie Ausklammern und Anwendung des Distributivgesetzes (Klasse 7), Bruchrechnung (Klasse 8), Wurzelrechnung und Parabelfunktionen (Klasse 9), Potenzfunktionen und Logarithmen (Klasse 10). Dazu kommt häufig ein kaum ausgeprägtes Verständnis des Funktionsbegriffs, wie er während der gesamten Mittelstufe entwickelt wird.
Man kann das vollkommen mit einem Instrumentenspieler vergleichen, der zwar prinzipiell ein fortgeschrittenes musikalisches Niveau erreicht hat, dessen Spiel aber unter einem Mangel an Ebenmaß des Rythmus, einer unzureichenden Beherrschung der Tonleitern auf seinem Instrument und unter Unsauberkeiten des Anschlags oder der Intonation leidet. Ein solcher Spieler wird schwerlich eine befriedigende Vorstellung geben können. Statt Freude zu bereiten, wird ihm das Spielen zur Qual und am Ende wird er gar sein Instrument hassen und die viele Zeit, die er bis dahin mit seinem Instrument verbracht hat, wird verloren sein.
Mit der Mathematik nun - wie im Übrigen mit jeder anderen Kunst - verhält es sich ganz genauso. Dabei ist dieses leidvolle Mißverhältnis zur Mathematik - oft über viele Schuljahre hinweg - völlig unnötig! Es kommt - im Spiel wie in der Mathematik - auf die Beherrschung der elementaren Dinge an. Die Qualität eines Spielers zeigt sich im Respekt für den Rythmus - im Respekt für das Elementare. Freude an der Mathematik kann sich, wie die Freude am Spiel, nur einstellen, wenn die grundlegenden Techniken - die dabei niemals grundsätzlich schwierig sind - ohne große Mühe ausgeführt werden können.
Die Faszination am Spiel entsteht, wenn die Finger scheinbar mühelos über das Instrument gleiten. Erst dadurch kann aus mühsam gelernten Tonfolgen Musik erklingen und man kann beginnen, ein Stück nicht nur herunter zu spielen, sondern es zu interpretieren und mit Emotionen und einer Aussage zu versehen. Ebenso kann jeder mit genügend Übung in der Mathematik den Zustand erreichen, in dem das Lösen quadratischer Gleichungen oder das Zusammenfassen eines Bruches auf den Hauptnenner ohne nennenswerte Anstrengung von statten gehen. Erst dann kann man begreifen, welche Aussagen die Mathematik ermöglicht, welche Bedeutung und Tragweite sie hat, und man kann lernen, damit zu spielen, zu erschaffen, und Freude und Spass zu empfinden wie mit einem sicher beherrschten Instrument!
Und wie nun kann man jenen viel gepriesenen Zustand der Mühelosigkeit erreichen?
Das ist - Gott sei Dank - kein Geheimnis. Hat man Talent, so ist es einfach: Den Seinen gibt's der Herr im Schlaf!
(Psalm 127), hat man keins, so muss man sich Not gedrungen an die Weisungen kluger Leute halten:
... Fürwahr, soll er die Kunst beherrschen, so muß er sich viel und oft in dieser Tätigkeit üben, wie sauer und schwer es ihm auch werde und wie unmöglich es ihn dünke: will er's nur fleißig üben und oft, so lernt er's doch und eignet sich die Kunst an. ...
(Dieses Zitat könnte gut von einem der modernen Hirnforscher sein, auf die man sich heutzutage in der Pädagogik so gerne beruft, doch sind solche Wahrheiten auch schon zu früheren Zeiten aus einfacher Erfahrung bekannt gewesen. Es stammt aus Traktat Nr. 6 von Meister Eckhart, einem christlichen Mystiker, der um das Ende des 13. Jahrhunderts gewirkt hat.)
Speziell für Schüler der Klasse 11 gibt es deshalb im Anhang eine Reihe von Aufgaben und Lösungen zum Wiederholen der genannten Themen der Algebra!
Arbeitet die Aufgaben als Selbsttest ernsthaft durch, die Lösungen sind nur zur Kontrolle nachher - sonst ist es kein Selbsttest, sondern nur ein Selbstbetrug!
Viel Spass dabei, mx