Medium:
Schwäbische Zeitung
Datum:
22.07.2010 (All day)
Achtjähriges Gymnasium
Schulen stemmen Doppeljahrgang
Bad Waldsee/Aulendorf - An den Gymnasien werden ab Herbst die jetzigen zehnten und elften Klassen in einem Jahrgang zusammengefasst. Sie sollen im Jahr 2012 gemeinsam Abitur machen. Damit wird der Übergang vom neunjährigen Gymnasium auf das achtjährige vollzogen. Für die Schulen bedeutet dies mehr Organisation.
Von unserer RedakteurinStefanie Järkel
„Statt drei Mathekursen haben wir jetzt sechs“, sagt Wolfram Winger, Schulleiter des Gymnasiums Bad Waldsee. 127 Schüler mussten mit dem Stundenplan auf 77 Kurse verteilt werden. „Jetzt müssen alle Kollegen in der Oberstufe unterrichten, die dies auch können – dazu gehören auch die ganz neuen Kollegen, die jetzt erst kommen.“ Jedes Gymnasium müsse an seine Kapazitätsgrenzen gehen. Trotzdem: „Probleme gibt es keine“, sagt Winger.
Auch darüber, dass die Jahrgänge in allen Kursen gemischt werden, gab es keine Beschwerden, sagt Winger. „Wir sehen ganz große Vorteile, weil so die Schüler einen richtigen Neustart hinlegen können.“ Bereits im Herbst hätten sie die Schüler darüber informiert.
Die neue Jahrgangsstufe erhält einen eigenen Lehrplan. Dieser baut nur auf den Inhalten auf, die beide Klassenstufen gelernt haben. Dazu braucht es nun neue Bücher – und mehr, weil der Jahrgang größer ist. „Das Büchergeld von der Stadt ist um etwas 15 000 Euro angestiegen“, sagt Winger. Sonst erhält die Schule 25 000 Euro pro Jahr, nun sind es 40 000 Euro. Das Geld wird aber auch für die unteren Klassen gebraucht, für die nun erst Bücher nach dem neuen Lehrplan vorliegen. In den kommenden Jahren muss die Schule allerdings weniger Geld ausgeben, um so die 15 000 Euro wieder einzusparen.
Nach Fähigkeiten fördern
Die Stundenpläne stehen auch schon beim Studienkolleg St. Johann fest. Das freie katholische Gymnasium in Blönried muss ab Herbst 177 Schüler in 102 Kursen versorgen. „Es kommen nun natürlich alle Kurse zustande, die es gibt“, sagt Schulleiter Klaus Schneiderhan. Manchmal sei es sonst knapp bei Geografie oder Physik geworden. „Ich finde es gut, wenn die Schüler nach ihren Fähigkeiten gefördert werden – es wird sowieso schwierig, wenn zwei Jahrgänge auf den Arbeitsmarkt kommen.“ Trotz der Mehrarbeit hat das Studienkolleg mit dem Wählen der Fächer oder der Zusammenstellung des Stundenplanes nicht früher angefangen. Die Bücherfrage wird beim Studienkolleg erst im Sommer geklärt. „Ich habe es zunächst den Kollegen überlassen, ihre optimalen Wünsche anzugeben.“ Es werde ein Kraftakt – aber „wir haben entsprechend finanziell vorgesorgt“. Mehrere 10 000 Euro an Mehrausgaben, so schätzt Schneiderhan, kommen auf die Schule zu. Doch es sollen nur Bücher gekauft werden, die auch danach noch verwendet werden können. Außerdem soll es in der Schule im Sommer „einen kleinen Umbau“ geben. Die zahlreichen Kurse verlangen mehr Räume. Privaträume des ehemaligen Internatsleiter sowie Abstellräume sollen zu Unterrichtsräumen werden.
„Der Platz müsste reichen“, sagt dagegen Karl Binder, Schulleiter des Gymnasiums Aulendorf. Allerdings wird erst der Stundenplan von Haupt- und Realschule in den Sommerferien zeigen, ob es genügend Räume gibt. Ein größeres Thema für die knapp 50 Schüler in einem Jahrgang ist das Thema Bücher. Regulär hat die Schule jährlich 11 000 Euro für Bücher zur Verfügung. Nun hat die Stadt 5000 Euro mehr zugestanden. Die Schule bemüht sich um Kompromisse mit alten Büchern – oder neuen Büchern, die länger gebraucht werden. „Die Vorgabe lautet, dass wir über Geld, welches wir nicht brauchen, neu mit dem Kämmerer verhandeln müssen“, sagt Binder. Im Frühjahr 2012 müssen dann doppelt so große Jahrgänge wie sonst geprüft werden. „Das wird noch ein logistisches Problem“, sagt Schulleiter Binder. Auch am Gymnasium Bad Waldsee werden schon Möglichkeiten durchdacht: „Wir favorisieren unseren Anbau mit sechs Klassenzimmern.“ Dafür benötigt die Schule zwar mehr Aufsichtspersonal als beispielsweise in der Stadthalle oder im Haus am Stadtsee. Aber „für die Schüler ist das übersichtlicher und gemütlicher“.
Bald gilt es knapp 50 Schüler in einem Jahrgang zu versorgen: Auch am Gymnasium Aulendorf werden ab Herbst die jetzigen Zehntklässler und Elfklässler gemeinsam unterrichtet. Unser Foto zeigt Lehrer Torsten Patzelt mit der 10. Klasse des Gymnasiums. Foto: Veronika R. Moser