Medium:
Schwäbische Zeitung
Datum:
27.07.2010 - 10:52
Gilgamesh, der König von Uruk, gibt sich poppig-rockig
BAD WALDSEE - Im voll besetzten Jugendkulturhaus „Prisma“ hat der Unterstufenchor des Gymnasiums Bad Waldsee das Musical „Gilgamesh, König von Uruk“ in zehn Bildern präsentiert. Das Stück spielt vor etwa 6000 Jahren.
Von unserem Mitarbeiter Karl Butscher
Mit viel Witz, Ironie und musikalisch poppig-rockig erzählt das Musical die Geschichte des jungen Gilgamesh (Peter Cambre), des späteren Königs von Uruk im babylonischen Zweistromland (Irak). Als Gottmensch, hitziger Kraftmeier und „Rambo“ schikaniert er seine Mitmenschen, bis er auf den Tiermenschen Enkidu (Jonas Wäscher), der ihm ebenbürtig ist, trifft. Da keiner den anderen besiegen kann, werden sie Freunde und beschließen, den Drachen Chumbawa (Martin Wagner), der im Zedernwald des Libanon wohnt, zu bekämpfen und die Stadt Uruk zu befreien.
Hilfreiche Hinweise zum besseren Verständnis der Handlung und Spielplätze der einzelnen Szenen gab Anna-Lena Ehinger. Im ersten Bild erhebt sich das Volk (der Chor in grauen Filzumhängen) gegen Gilgamesh. Im nächsten Bild „Die Steppe“ begegnen sich Shamat (Arnika Oberhofer) und Enkidu, der nach dem unentschiedenen Zweikampf gegen Gilgamesh mit ihm zusammen Chumumba besiegen will. Im vierten Bild ist aus dem Volk ein langer, müder Zug (trotz strahlender Lackuniformen) von Soldaten geworden. Aber Chumumba wurde besiegt. In Bild sechs versucht die Liebesgöttin Ishtar, Gilgamesh zu verführen; er aber bleibt stark. Nun mischen sich der Göttervater Enlil (A.Ehm), der Vater Anu (U. Plamper) und die Mutter Ishtars Antu (U. Pohl) per Mikro ein, um ihrer Tochter beizustehen.
Nachdem Gilgamesh und Enklidu den Stier durch Alkohol ausgeschaltet hatten, fordert Ishtar die Bestrafung des so erfolgreichen Paares Gilgamesch und Enkidu vor dem Götterrat („heute wohl die UNO“), die aber erst „brainstormen“ müssen, wie sie entscheiden.
Nach dem Tod Enkidus in der Steppe besingen Gilgamesh und Schamat klagend sein Dahinscheiden. Kurz danach bringt das Totenboot auch Gilgamesh in die Unterwelt, wo er aber durch die Gnade der Götter in den „Aufsichtsrat der Götter“ geholt wird.
Viel Beifall gab es für 90 Minuten Spannung, Sieg und Niederlage, Trauer und Freude. Hans Ehinger inszenierte mit kargem Bühnenbild eine flotte, manchmal skurrile Handlung in zehn Bildern, indem er die Texte aktualisierte und unter anderem durch raschen Kostümwechsel aus dem Volk Soldaten zauberte (Kostüme von Thomas Volkwein).
Ernst Greinacher als musikalischer Leiter und Eva Roth am Keybord gaben den singenden Schauspielern Impulse und Sicherheit. Die poppig-chromatische Musik komponierte Uli Führ im Stile des „Swing Classic“, den Text verfasste Jörg Ehni.
Gilgamesh und Enkidu überwältigen mit Hilfe der Krieger den Dämonenkönig Chumbaba. Foto: Veronika R. Moser