Vortrag von Prof. Dr. Klosinski, Tübingen
Zoff mit und unter Jugendlichen
Problematische Beziehungen von Jugendlichen:
Wie können/sollen Eltern sich verhalten?
Zusammenfassung des Vortrags von Prof. Dr. Klosinski, Tübingen,
am 21.2.2008 im Musiksaal des Gymnasiums Bad Waldsee
Grenzen setzten aber nicht Türen zuschlagen-
Pubertät eine schwierige Zeit der Selbstfindung
Elternvertretung, Freundeskreis und Schulleitung des Gymnasiums haben Professor Klosinski aus Tübingen zum Vortrag über dieses schwierige Thema eingeladen. Dr. Fürst und Schulleiter Dr. Winger begrüßten viele Zuhörer. Der Musiksaal war voll mit Eltern, Schülern und Lehrkräften.
Die Identifikation
Die Identifikation mit dem Vater ist oft schwierig, weil der Vater gar nicht da ist. In der Adoleszenz kommt die Welt mit ihren Gesetzen und Religionsvorschriften auf den Prüfstand, ein eigenes Moralsystem wird entwickelt. Die Loslösung in Richtung innere Unabhängigkeit fällt den jungen Leuten leichter, wenn sie in eine Gruppe eingebunden sind und auch von Eltern oder den Mitgliedern ihrer Gruppe Streicheleinheiten bekommen.
Der Wert der Disziplin
Disziplin hat eine positive Kraft. Wer seinen Alltag strukturieren lernt und in familiäre Aufgaben eingebunden ist hat gegenüber anderen etwas voraus. Wenn Mama nur versorgt, ist dem Heranwachsenden nicht geholfen. Wichtig ist das Belohnen und das Feiern von erreichten Zielen, rät der Fachmann den Eltern. Überhaupt bedeutet das Abnabeln auch Reifeschritte der Eltern, die nun wieder mehr für sich da sind.
Nebeneltern
Jugendliche brauchen auch "Nebeneltern". Das sind oft Paten, aber oft wählen die Jugendlichen diese "Betreuer" selber aus. Das geschieht im Vereinsleben, das allerdings die Eltern vorleben sollten. Oder sie wählen sich "Mitstreiter" für eine "Nachtmeerfahrt" mit denen man in neue Gewässer segelt. In ihrem Selbstbild sind Jungen weniger emotional verletzlich und haben eine positive Einstellung zum Körper. Auch wenn sich das als Macho-Gehabe zeigt. Im Vergleich dazu sind Mädchen viel kritischer gegenüber ihrem Körper.
Diskussion: Ritzing...
In der anschließenden Diskussion fragte Peter Walz nach der Meinung des Fachmanns zu dem Phänomen der Selbstverletzung bei Mädchen. Das "Ritzing" sei ein Versuch von der Leere wegzukommen und als para-suizidale Geste ernst zu nehmen. Die Umwelt soll das als eine Aufforderung "Hab Mitleid!" verstehen.
...und Mobbing
Das "Ritzing" kann durch Mobbing verursacht werden. Denn diejenigen, die schwach sind hoffen auf Mitleid und Gnade in der Gruppe. Was tun gegen Mobbing? Klosinski rät das betroffene Kind dort zu stärken, wo es stark ist, so dass es stolz sein kann auf etwas. In der Diskussion zu dieser Frage berichtete Schülerin Brigitte, dass oft solche betroffen sind, die sich nicht anpassen können.
Keine Patentrezepte, klare Regeln
Klare Regeln geben, Grenzen und Regeln müssen gemeinsam festgelegt werden. Das ist der Rat von Professor Klosinski. So kann der Zoff mit und unter Jugendlichen am besten verhindert werden. Den Eltern spricht er Mut zu: "Sie sind alle Experten, sie haben die Pubertät durchlebt und als Eltern haben sie schon vieles durchgemacht!"