
Die überraschend hervorragenden Ergebnisse Finnlands in den Pisastudie 2000 machen neugierig auf das Bildungssystem dieses Landes hoch im Norden Europas. Sind es die Lehrmethoden, die Schülerinnen und Schüler so kompetent machen? Oder ist es die Größe der Lerngruppen, die sehr gute Ergebnisse ermöglicht? Wie sieht eigentlich das Gebäude einer so erfolgreichen Schule aus und zuletzt, wie sieht eine Gesellschaft aus, in der diese Ergebnisse möglich sind. Mit all diesen Fragen im Koffer fliegen Frau Schwarz und Frau Wunderle vom 20. bis 26. April nach Finnland.
Gemeinsam mit 28 Kolleginnen und Kollegen aus ganz Europa, Singapur und sogar den USA dürfen wir erleben, was Finnland so viel besser macht als Deutschland. Zu unserem Erstaunen sind es nicht die Lehrmethoden. Was wir gesehen haben, ist ein Unterricht, wie er bei uns in den Achtzigern gehalten wurde (Die Schreiberin dieses Textes weiß das, weil sie damals Schülerin war). Also, erste Schlussfolgerung. Der Unterricht ist es nicht.
Aber es gibt vieles, was Finnland besser macht: Längeres gemeinsames Lernen bis im Alter von 15 Jahren und danach eine Aufteilung in eine akademische und eine berufliche Laufbahn. Aber, und das macht es so besonders: Der Weg zur Uni geht über beide Schularten. Das bedeutet, dass es zu keiner Zeit so ist, das Schülerinnen und Schüler und deren Eltern das Gefühl haben müssen, eine Chance verpasst zu haben. Man wünscht sich an dieser Stelle mehr Mut im deutschen Bildungssystem.
Und nicht zu vergessen die Größe der Lerngruppen. Die Klassen, die wir sehen dürfen, war halb so groß wie unsere. Das führt zu einer entspannten, ruhigen Atmosphäre, in der sich jeder und jede gesehen fühlen kann. Damit lassen sich Schülerinnen und Schüler besser in ihrem Lernprozess begleiten und beraten. Mit einem Klassenteiler von 30 Schülerinnen und Schülern sind wir davon weit entfernt.
Dies führt zu einem Verhältnis zwischen Schülerinnen und Schülern und Lehrkräften, das nicht durch ständige Kontrolle und Tests geprägt ist. Stattdessen heißt das Zauberwort in Finnland „Vertrauen“. Dieses Vertrauen zieht sich durch allen Ebenen, der an der Schule Beteiligten: Lehrkräfte, Lernende, Eltern und Schulleitung. Eine Schulinspektion von außen gibt es nicht. Lehrkräfte haben große Freiheit bei der Gestaltung ihres Unterrichts. Auch hier befinden wir uns auf einem gänzlich anderen Weg, wenn wir jährlich von der Schulaufsicht besucht werden und unsere Ergebnisse in VERA 8 und im Abitur reflektieren und erklären müssen.
Das Verhältnis zwischen allen am Schulleben Beteiligten ist also durch Wertschätzung geprägt. Und hier ist ebenfalls die Verwaltung auf kommunaler Ebene zu erwähnen: Wie bei uns wurden viele Schulen in Finnland in den Siebzigern gebaut. Da diese Gebäude jetzt veraltet sind, entstehen überall neue Schulgebäude, die an Wärme und Funktionalität kaum zu überbieten sind: Architektur und Mobiliar sind geprägt von ästhetischem und funktionalen Design. Damit wird die Schule als Ort gesellschaftlicher Teilhabe ungeheuer aufgewertet. Dass Schulessen hervorragend schmeckt und auch noch kostenlos ist, sei hier nur am Rande erwähnt.
Das alles hört sich an wie Fantasterei und ist kaum zu glauben? Aus unserer Perspektive vielleicht. Aber ein Land, das sich eine 1600 km lange Grenze mit Russland teilt, ist darauf angewiesen, als Gesellschaft zusammenzuhalten und hervorragende Fachkräfte auf allen Gebieten auszubilden. Ganze Bevölkerungsgruppen zurückzulassen, kann sich Finnland nicht leisten. Es ist spannend zu sehen, was möglich ist und ich wünsche unserem Land von Herzen dieselbe Leidenschaft und den denselben Willen, die Gesellschaft zusammenzuhalten und allen Kindern und Jugendlichen die bestmögliche Ausbildung zu finanzieren.
Mensa Comprehensive school Kirkunommi:
Fingerabdrücke Muttersprache Schwedisch (orange) und Finnisch (grün):
Vocational school in Järvenpää:



























